Ach, was für eine verfahrene Kiste!
Der Vater also Maximilian,
Graf von Moor,
bereits recht adlig se nil,
Sohn Franz ein harter Lump
und Karl ein Bruder Leichtfuß
und Student.
Also,
weiter steht hier folgendes geschrieben.
Gestern um Mitternacht hat Karl
den großen Entschluss
nach 40 .000 Dukaten Schulden,
ein hübsches Taschengeld,
Vater, nachdem er zuvor
die Tochter eines reichen Bankiers
all hier entjungfert und ihren Galan,
einem braven Jungen von Stand,
im Duell auf den Tod verwundet mit sieben anderen,
die er mit in sein Luderleben gezogen,
dem Arm der Justiz zu entlaufen.
Zappalo, das ist aber auch
Darker Tobak.
Der Graf hält sich an Franz,
der mit falscher Zunge den Brief vorgetragen
hat, und verstößt Karl.
Dieser wird steten Fußes Räuberhauptmann und zieht
mit seiner Bande marodierend durch die Lande.
Und Karl Moore,
dero selbst als Student mehr Taktiker,
mimt den Großstrategen des Terrors.
Nun muss ein Teil
auf die Bäume klettern
oder sich ins Dickicht verstecken
und Feuer auf sie geben im
Hinterhalt.
Jeder muss sein Pfeifchen hören lassen,
im Wald herumjagen,
dass unsere Anzahl schrecklicher
werde.
Auch müssen alle Hunde los
und in ihre Glieder gehetzt werden,
dass sie sich trennen,
zerstreuen
und euch in den Schuss rennen.
Oh, oh,
in den wildesten Inszenierungen
kamen an diesen Stellen plötzlich verwegene
zeitgenössische Gedanken auf.
»Mahler, Meinhof, Bader,
das sind unsere Kader !«
»Mahler, Meinhof, So also ging die räuberisch -terroristische Post ab,
im Namen der Freiheit für alle.
Aber Karl wurde trotzdem
nicht glücklich dabei.
Seine Braut, die Holde Amalia von Edelreich,
saß zu Hause beim
hinterlistigen Bruder rum
und wußte nicht, ob sie wollte,
oder ob sie nicht wollte,
oder was sie wollte, oder . .
»Du weinst ja, Maja«,
verhallte Stimme aus einer anderen Welt,
und das sprach er mit einer Stimme,
mit einer Stimme.
Mir war es, als ob die Natur sich verjüngte,
die genossenen Länze der Liebe dämmerten auf,
die Nachtigall schlug wie damals.
»Du weinst ja, Maja«,
die Blumen hauchten wie damals,
und ich lag, wonneberauscht,
an seinem Hals.
Ha! falsches, treuloses Herz,
wie du deinen Mein - eid beschönigen willst! Nein,
nein, weg aus meiner Seele, du Frevel - bild!
Ich habe meinen Eid nicht gebrochen,
du Einziger!
Weg aus meiner Seele,
ihr verräterischen, gottlosen Wünsche!
Im Herzen, Karl herrscht,
darf kein Erden so nisten.
Aber warum meine Seele
so immer so widerwill
nach diesem Fremdling?
Hängt er sich nicht so hart
an das Bild meines Einzigen?
Ist er nicht der ewige Begleiter
meines Einzigen?
Du weint, Amalia!
Verhalte Stimme aus einer anderen Welt.
Ich will ihn fliehen, fliehen!
Nimmer mehr sehen soll
mein Auge diesen Fremdling.
Naja, Fremdling hin, Fremdling her,
es war ja derselbige.
Und Karl wurde garstig
und erzohnte sich bitterlich,
als er sah, was sein Bruder,
dieses Vieh,
mit seinem Vater angestellt
hatte.
Der alte Moor
wurde praktisch zum Tode befreit.
Franz konnte nicht mehr dingfest gemacht werden,
er drosselt sich selbst mit einer
goldenen Hutschnur,
unter dem macht's der
feine Mann nicht.
»In die Hölle! Sind das Ihre Triller?
Hör' ich Euch zischen,
Ihr Nattern des Abgrunds?
Sie dringen herauf,
belagern die Tür.
Warum zag' ich so vor dieser bohrenden
Spitze?
Die Tür kracht, stürzt, unentrinnbar.
Ha! Ha! So erbarm' du dich meiner !«
Tja, nun sind vom Hauptpersonal
nur noch Karl und Amalia übrig,
aber die Gangster -Burschen...
Es gibt freilich im Zuge der Emanzipation
auch Inszenierungen,
wo Weiber das Regiment führen.
Also, diese Gangster -Burschen
fordern genug Tuung!
Marsch mit uns!
Opfer um Opfer!
Amalia für die Bande!
Karl Mohr ist nicht nur irre geworden,
es war ja doch alles ein bisschen viel,
sondern läutert sich eben auch,
was vielleicht aufs Gleiche hinauskommt. Jedenfalls moxt
er die Amalia mit eigener Hand hin.
Also das verdutzt selbst die brutalen Kameraden -Räuber,
aber ich meine, hatte er eine Wahl.
Es ist aus.
Ich wollte umkehren
und zu meinem Vater gehen,
aber der im Himmel sprach, es
soll nicht sein.
Blöder Tor, ich.
Warum wollte ich es auch?
Kann denn ein großer Sünder noch
umkehren?
Ein großer Sünder
kann nimmermehr umkehren.
das hätte ich längst wissen können.
Kommt, Kameraden!
Am Schluss verzweigt sich die Geschichte,
da bleibt etliches offen.
Soll er sich stellen,
oder soll er weitermurksen,
oder soll er den ganzen Laden
gleich übernehmen?
Manche sagen so,
andere Regiekünstler so,
und Schiller selbst war mit
sich selbst auch in Zwietracht.
Aber ein Ende muss die Geschichte doch haben,
und natürlich auch eine Moral.
Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben,
als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet
und elf lebendige Kinder hat.
Man hat tausend Louis d 'Or geboten,
wer den großen Räuber
lebendig liefert.
Demane können geholfen werden.
Und so stellte Calment sich edelmütig,
oder auch nicht.
Und falls er nicht gestorben ist,
rennt er immer noch durch die Welt
mit Schaum vorm Mund
als Rächer der Witwen,
Waisen und Enterbten.
Wenn er schließlich alle Instanzen durchlaufen hat,
bereut er sein tollwütiges Vorgehen.
Ein nettes, schickes Amt
möchte er dann bekleiden
auf seine alten Tage,
wie unser Joschka und Fünfe endlich
gerade sein lassen.
Ach, diese Räuber!
Alles ist möglich.